Integrationsangebote und -massnahmen der Bildungsbehörden im nachobligatorischen Bereich

Erläuterungen

1. Allgemeines zur Berufsbildung

Bildung ist ein wichtiges Element der Integration. Eine abgeschlossene Ausbildung nach der obligatorischen Schule ist bedeutend für einen nachhaltigen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Personen ohne Berufsabschluss haben beeinträchtigte Berufschancen.

In der Schweiz stehen unterschiedliche Wege für eine gut qualifizierte Ausbildung offen. Ein wichtiger Pfeiler ist die duale Berufsbildung. Bei der Berufslehre wird die Ausbildung im Betrieb während drei bis vier Wochentagen mit einer berufsschulischen Ausbildung an ein bis zwei Wochentagen verbunden.

2. Berufsvorbereitungsjahre / Brückenangebote

Der Kanton Solothurn bietet im Bereich der Brückenangebote verschiedene Möglichkeiten an. Die Angebote richten sich an Jugendliche, welche nach Abschluss der Sekundarstufe I nicht direkt in eine berufliche Grundausbildung oder in eine Schule der Sekundarstufe II wechseln. Der Besuch dieser Angebote ist freiwillig und dient der Behebung schulischer und sprachlicher Defizite und unterstützt die Orientierung und die Entscheidfindung für die weitere berufliche und / oder schulische Laufbahn.

Das Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen betreibt folgende Angebote:

2.1.      Berufsvorbereitungsjahr

Das Berufsvorbereitungsjahr ist ein duales Brückenangebot und richtet sich an motivierte Jugendliche, die sich vergeblich um eine Lehrstelle bemüht haben und sich auf eine berufliche Grundbildung vorbereiten wollen. Dabei kann je nach Berufswunsch zwischen den Profilen Technik/Handwerk und Dienstleistung/Soziales gewählt werden. Die Lernenden sind in der Regel Schulabgänger und Schulabgängerinnen der Sekundarstufe I. Sie arbeiten während drei Tagen pro Woche in einem Praktikumsbetrieb und besuchen an zwei Wochentagen den schulischen Unterricht am Berufsbildungszentrum Olten.

2.2.      Integrationsjahr

Das Integrationsjahr richtet sich an fremdsprachige Jugendliche und junge Erwachsene mit Wohnsitz im Kanton Solothurn, welche die obligatorische Schulzeit nicht oder nur zum Teil in der Schweiz abgeschlossen haben und eine Berufsausbildung anstreben. Das Integrationsjahr mit den Profilen „Orientierung“ und „Berufsvorbereitung“ dient der besseren sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration fremdsprachiger Jugendlicher und junger Erwachsener. Der schulische Unterricht mit Schwergewicht im Erlernen der deutschen Sprache wird ergänzt mit wöchentlichen Praktikumstagen.

Das Integrationsjahr wird an den Berufsbildungszentren Olten und Solothurn-Grenchen geführt.

2.3.      Integrationsvorlehre

Die Integrationsvorlehre ist ein einjähriges duales Bildungsangebot für anerkannte Flüchtlinge (Ausweis B/F) und vorläufig aufgenommene Personen (Ausweis F), die motiviert sind eine berufliche Grundbildung zu absolvieren. Geeignete Personen sind zwischen 18- und 35-jährig, weisen ein Sprachniveau A2 aus und bringen Arbeitserfahrung mit. Die Lernenden arbeiten an drei Tagen pro Woche im Betrieb, an zwei Tagen besuchen sie die Berufsfachschule und insgesamt 4 Tage sind für die überbetrieblichen Kurse vorgesehen. Im Betrieb sammeln sie praktische Erfahrung im angestrebten Berufsfeld, in der Berufsfachschule eignen sie sich allgemeinbildende sowie berufsfeldbezogene Kompetenzen an und in den überbetrieblichen Kursen erwerben sie fachspezifische Fähigkeiten. Die Integrationsvorlehre wird aktuell in den folgenden Berufsfeldern angeboten:  

  • Automobil
  • Gastgewerbe / Hotellerie / Fleischwirtschaft
  • Logistik
  • Gesundheit

3. Case Management Berufsbildung

3.1.      Das nationale Projekt Case Management Berufsbildung

Das nationale Projekt Case Management Berufsbildung ist beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI angesiedelt. Es hat zum Ziel, gefährdete Jugendliche frühzeitig zu erfassen, laufend zu beobachten und auf dem Weg zu einem Abschluss auf Sekundarstufe II zu begleiten. Eine fallführende Stelle soll über institutionelle Grenzen sowie über die Dauer der Berufswahl und Berufsbildung hinweg für ein planmässiges, koordiniertes und kontrolliertes Vorgehen sorgen. Im Zentrum steht die Unterstützung zur Selbsthilfe (Empowerment) der gefährdeten Jugendlichen sowie die Effizienz- und Effektivitätssteigerung der eingesetzten Massnahmen aufgrund einer wirksamen Führung und Gestaltung der Prozesse.

Die Kantone sind für die Umsetzung des Case Managements Berufsbildung verantwortlich. Sie werden dabei vom Bund unterstützt.

Weitere Informationen finden sich im Papier Case Management Berufsbildung - Grundsätze und Umsetzung in den Kantonen (siehe Anlage) sowie auf der Homepage des Staatssekretariats für Bildung. Forschung und Innovation zum Case Management Berufsbildung.

3.2.      Case Management Berufsbildung Kanton Solothurn (CMBB)

Vgl. https://so.ch/verwaltung/departement-fuer-bildung-und-kultur/amt-fuer-berufsbildung-mittel-und-hochschulen/berufs-studien-und-laufbahnberatung/case-management-berufsbildung/

Das Case Management Berufsbildung (CM BB) bietet eine gezielte und umfassende Beratung und Begleitung für Jugendliche und junge Erwachsene mit Startschwierigkeiten in die berufliche Grundbildung. Das Ziel ist der erfolgreiche Abschluss einer Lehre.

Das CMBB richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren. Die Jugendlichen besuchen noch die Sekundarstufe I der Volksschule oder ein Brückenangebot. Es zeichnen sich trotz eigenen Bemühungen und schulinternen Massnahmen besondere Erschwernisse bei der Lehrstellensuche ab.

Das CMBB richtet sich im Weiteren an Jugendliche und junge Erwachsene, die seit dem Abschluss der obligatorischen Schule oder nach einem Lehrabbruch keine Anschlusslösung gefunden haben. Die Ursachen für die Schwierigkeiten sind unterschiedlich. Oft handelt es sich um eine Kombination von fehlender Motivation, schwachen schulischen Leistungen, mangelnder familiärer Unterstützung, gesundheitlichen und/oder psychischen Problemen.

Das CMBB ist freiwillig und wird nur eingesetzt, wenn die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereit sind, sich darauf einzulassen und aktiv mitzuwirken. Bei minderjährigen Jugendlichen ist das Einverständnis der Eltern nötig.

Die Begleitung durch das CMBB ist langfristig und stufenübergreifend. Der Case Manager oder die Case Managerin führt mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie den beteiligten Bezugs- und Fachpersonen Gespräche und koordiniert die Zusammenarbeit untereinander. Ist eine tragfähige Lösung gefunden, wird die Begleitung abgeschlossen.

Oft wird die Anmeldung von einer Institution empfohlen – zum Beispiel von der Volksschule, der Berufsberatung, der Berufsfachschule oder der Lehraufsicht. Jugendliche, deren Eltern und junge Erwachsene können sich auch direkt bei der Fachstelle CMBB melden und dort weitere Informationen einholen.

4. Berufsberatung des Kantons Solothurn

Die kantonale Berufsberatung sorgt in Zusammenarbeit mit den Berufsinformationszentren (biz) für die fachgerechte Durchführung und Weiterentwicklung der Berufsberatung für Jugendliche und Erwachsene.

4.1.      Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene

Die Berufsberaterinnen und -berater in Berufsinformations- bzw. Laufbahnzentren bieten Beratungen an und unterstützen die Jugendlichen bei der Berufs- und Laufbahnplanung. Zusätzlich zur Beratung bestehen folgende Angebote:

  • Lehrfirmenverzeichnis und Lehrstellennachweis
  • Berufswahlordner
  • Berufswahlplattform
  • Berufswahlagenda
  • Nahtstellenprojekte Sek I / II

Vgl. https://so.ch/verwaltung/departement-fuer-bildung-und-kultur/amt-fuer-berufsbildung-mittel-und-hochschulen/berufs-studien-und-laufbahnberatung/berufsberatung/

5. Studienberatung Kanton Solothurn

Die Studienberatung richtet sich an Mittelschülerinnen und -schüler und an Studierende an Hochschulen. Sie unterstützt in allen Fragen der Laufbahnberatung (Studienmöglichkeiten nach der Matura, Berufseinstieg nach dem Studium, Studienwechsel oder -abbruch, etc.). Die Beratungen sind vertraulich und erfolgen durch Fachpersonen mit anerkannten Ausbildungen in Beruf-, Studien- und Laufbahnberatung.  

Die Studienberatung umfasst folgende Phasen

  • Ausgangslage erfassen und Ziele der Beratung festlegen
  • Persönliche Voraussetzungen klären
  • Sich informieren
  • Entscheiden
  • Realisieren

Die Studienberatungen sind kostenlos und werden in Olten und Solothurn angeboten. Ratsuchende aus der Region Breitenbach können den Beratungsort frei wählen.

Vgl.: https://so.ch/verwaltung/departement-fuer-bildung-und-kultur/amt-fuer-berufsbildung-mittel-und-hochschulen/berufs-studien-und-laufbahnberatung/studienberatung/

6. Laufbahnberatung für Erwachsene

Die Laufbahnberatung unterstützt Erwachsene, die sich mit Fragen zu ihrer beruflichen Laufbahn und Karriere auseinandersetzen. Dazu gehören u.a. das Erkennen beruflicher Chancen und Möglichkeiten, die Planung des beruflichen Wiedereinstiegs, Weiterbildungsmöglichkeiten, etc.

Die Laufbahnberatung für Erwachsene ist für Ratsuchende mit einem Abschluss auf Sekundärstufe II oder auf Tertiärstufe seit 2015 kostenpflichtig. Für Personen ohne Berufsabschluss sind die Beratungsleistungen weiterhin kostenlos.

Vgl.: https://so.ch/verwaltung/departement-fuer-bildung-und-kultur/amt-fuer-berufsbildung-mittel-und-hochschulen/berufs-studien-und-laufbahnberatung/laufbahn-weiterbildung/

Sonderregelungen Asyl

Keine.